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21.10.16

Deutsche Einzelmeisterschaft in Lübeck

Von: ? / Stefan

Stefan Liepold vom SCE dabei

Es gab um die Deutsche Meisterschaft viele Diskusionen bezüglich der Attraktivität, Preisfond und die Frage wie gut diese besetzt sein wird. Auch ob sich in diesem Jahr überhaupt ein Ausrichter finden sollte, war einige Zeit unklar.

Der etwas unglückliche Termin (Semesterbeginn) hielt unseren Bayerischen Meister von 2015 Eduard Miller davon ab, an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen,

so kam Stefan zu der Chance als Nachrücker den Platz anzunehmen und spielt nun ab Samstag die Deutsche Meisterschaft in Lübeck mit.

Top gesetzt und wohl Favorit auf den Titel ist der erst 19-jährige Großmeister Rasmus Svane außerdem spielt ein weiterer GM und 2 IMs sowie mehrere FMs mit.

Wir drücken Stefan die Daumen!

Informationen zum Verlauf auf der Turnierseite

 

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An dieser Stelle will ich mal selber übernehmen, denn ich hatte mir schon vorgenommen,  ein bisschen von vor Ort zu berichten.

Einerseits ist diese Meisterschaft deutlich schwächer besetzt als in den Vorjahren. Hauptsächlich deswegen, weil ein Preisfonds fehlt - da wird es natürlich schwer,  Spitzenspieler zum Mitspielen zu bewegen.

Deswegen musste ich auch erst einmal überlegen, als ich vor ca. 2 Monaten die EInladung bekam, als Nachrücker mitzuspielen. Es war übrigens unabhängig von Eddis Absage, der als bayerischer Meister 2015 leider aufgrund seines  Studienbeginns nicht teilnehmen kann. Theoretisch hätten wir beide teilnehmen können, aber offenbar war das Interesse so gering, dass nur ich als fünftplazierter zum Zug kam.

Trotzdem, keine Geldpreise, mehr als 1 Woche Urlaub aufwenden, und auch keine echten sportlichen Ziele ( der Meistertitel ist für mich außer Reichweite, und ansonsten ist es bedeutungslos, ob man Zweiter oder Sechsundzwanzigster wird) - da musste auch ich erstmal überlegen, ob ich teilnehmen soll. Andererseits, es ist eine Deutsche Meisterschaft, und ich bin auch nicht mehr der jüngste, also habe ich die Gelegenheit ergriffen.

Nach dem, was ich bis jetzt urteilen kann, war diese Entscheidung vermutlich nicht falsch. Die Spielbedingungen sind exzellent, und Lübeck ist ein attraktiver Ausrichtungsort. Unterbringung und Verpflegung sind auch bestens, so dass die Teilnehmer schon befürchten, dass sie mehr Kilo als DWZ zulegen werden. Aber es gibt im Hotel auch einen Fitnessbereich und einen Pool im Hotel, vielleicht muss ich die mal nutzen.
Der Veranstalter hätte jedenfalls wirklich ein besseres Teilnehmerfeld verdient gehabt - andererseits wäre ich dann wahrscheinlich nicht dabei...
Auch die Turnierwebseite ist gut gemacht (Link siehe oben), hier werden werden immer die ersten 6 Partien live übertragen, vielleicht schaffe ich es einmal dorthin.

Dass das Turnier  nicht leicht wird, habe ich schon in der ersten Runde gemerkt. Gegen Florian Fuchs aus Eiche Reichenbrand konnte ich ein Qualitätsopfer provozieren, und dachte danach die Lage in den Griff zu bekommen und den leichten Materialvorteil nutzen zu können.
Das schaffte ich aber nie, und nach spannendem Verlauf landeten wir in einem Turmendspiel mit gleich vielen Bauern, in dem mein Gegner noch Gewinnversuche
machen wollte. Diese führten aber zu nichts, und nachdem K+T gegen K+T auf dem Brett war, wurde Remis vereinbart.

Update 23.10.:

Nachdem unsere SC-Erlangen-Murphys-Pubquiz-Runde vor kurzem nicht gewusst haben, welcher Fluss durch Lübeck fließt - inzwischen wissen wir es, es ist die Trave - hier kann ich das gleich vor Ort verifizieren, ich habe gleich mal ein Bild reingestellt. Jedenfalls wünsche ich unserem Pubquizteam heute viel Erfolg, vielleicht mal den Jackpot zu knacken!

Bevor ich mich in die dritte Runde stürze (gegen Heiko Kummerow, leider wieder mit Schwarz) hier noch eine kurze Zusammenfassung von gestern: da dachte ich zwar, an einem Livebrett zu sitzen, es war auch eins, aber anscheinend werden trotzdem nur die ersten vier übertragen. Nachdem die Eröffnung (Schwarz gegen Martin Kololli, einem jungen Lokalmatador, der überraschend 1.f4 aufschlug) eigentlich erfolgreich für mich verlaufen war, brachte ich mich dann doch in Schwierigkeiten. Die konnte ich zwar lösen, sogar ein kleiner Vorteil war drin, aber nur auf Kosten meiner Bedenkzeit, die mir dann in der Schlussphase zum Verhängnis wurde. Aufgrund mehrerer kleiner Fehler meinerseits schlug sein Königasangriff durch.

Update 25.10.

Dritte Runde:
Hier brauchte ich zu lange, um in der scharfen Eröffnung, einem Richter-Rauser-Sizilianer, die richtigen Züge zu finden. Zwar stand ich gut, doch ich stellte einfach einen Bauern ein und musste versuchen, ein Ungleiches-Läuferendspiel mit einem Minusbauern zu halten. Ich konnte aber nicht verhindern, dass mein Gegner seine Figuren umgruppieren und aktivieren konnte, so dass ich einen zweiten Bauern und die Partie verlor.

Vierte Runde:
Da man eine Niederlagenserie am besten mit einem Remis unterbrechen soll (alte russische Schachschule), wollte ich meine Partie gegen Jürgen Messarius aus NRW lieber ruhig angehen und spielte eine Nebenvariante gegen Winawer-Französisch. Doch das gelang nicht gut, ich hatte einen Minusbauern, für den ich gerade genug Kompensation hatte. Nach einigen Gewinnversuchen beiderseits einigte sich man im 40. Zug auf Remis (vorher ist das nach den hier herrschenden Regeln übrigens nicht erlaubt).

Und nochmal eine Aktualisierung (28.10.):

5. Runde:
Am vorletzten Brett angetroffen, traf ich nun auf Dr. Ralf Schön . Obwohl die Partie im Nachhinein nach einem  leichten Sieg aussah, kam mir es lange Zeit sehr bedenklich vor. Die Variante, die aufs Brett kam, ein scharfes Winawer-Französisch,hatte ich gar nicht spielen wollen. Doch mein Gegner spielte eine alte Variante (mit 10.Kd1), die ich zueltzt 1981 auf dem Brett hatte, heutzutage spielt das niemand mehr. Ich konnte mich aber nicht mehr richtig an die Theorie erinnern und dachte zunächst, mich veropfert zu haben. Doch es war wohl alles korrekt, und
nach einem Fehler meines Gegners wurde er schnell matt.

In der sechsten RUnde hatte ich dann aber noch einmal schwarz, zum vierten Mal also schon. Allerdings wollte mein Gegner Hartmut Metz diesmal lange Theorieauseinandersetzungen vermeiden und wählte das für ihn ungewohnte 1.c4.
Mit einem Drachen mit vertauschten Farben bekam ich aber eine ordentliche Stellung mit beiderseitigen Chancen. Kurz vor der Zeitkontrolle verlief sich der weiße Turm, was mir plötzlich Angriffsmöglichkeiten gab. Ich landete in einem
gewonnenen Schwerfigurenendspiel, was dann zwar die längste Partie der Runde wurde, am Ende hatte ich aber den ganzen Punkt.

Leider misshandelte ich in der 7. Runde den Drachen, den mein Gegner Sebastian Müer spielte - ich hätte gute Angriffschancen haben können.  Nach einem Fehler musste ich aber in ein ungünstiges Materialverhältnis abwickeln (T gegen L+2B). Zum Glück spielte mein Gegner dann auch ungenau, und als ihm nichts mehr einfiel, wiederholte er versehentlich die Stellung zum dritten Mal, was ich dann sicherheitshalber als Remis reklamiert habe.

Abschlußbericht 31.10.:

Mit zwei Niederlagen ist das Turnier für mich unbefriedigend zu Ende gegangen.
In Runde 8 bemerkte ich ein Eröffnungsdefizit - mir fiel einfach nichts ein, was ich gegen die Eröffnung meines Gegners spielen sollte, die ich schon in Runde 1 bekämpfen musste. So spielte ich das gleiche nochmal, aber nun, gegen einen vorbereiteten Gegner, der mit dem System auch schon Erfahrung hatte, klappte es nicht und ich kam in eine ungünstige Stellung, die ich noch dazu zu riskant behandelte. Ich wurde mit Bauerverlust und einem verlorenen Endspiel bestraft.

In Runde 9 lag es nicht an der Eröffnung; nach einer langen Theorievariante kam ein ausgeglichenes Endspiel mit Turm und ungleichen Läufern heraus.
Beide Parteien versuchten noch auf Gewinn zu spielen, und hier überschätzte ich meine Chancen und unterschätzte die meines Gegners. Die Partie war recht interessant, aber ich war dann halt auf der Verliererstraße und konnte nichts mehr ausrichten. Solche Niederlagen sind aber meiner Meinung nach einfach unvermeidbar und sollten einen nicht übermäßig ärgern.

Damit habe ich nun unter Erwartung abgeschnitten, und auch leider keinen von den Spitzenspielern gehabt, einige über 2400 wären ja schon dabei gewesen.
Vielen Dank aber an alle, die mich unterstützt haben. Denn trotzdem war es eine schöne Meisterschaft, und vor allem wegen der guten Verpflegung wird sie allen Spielern in angenehmer Erinnerung bleiben.
Auch wenn ich vorher Zweifel gehabt hatte: es lohnt sich, trotz fehlendem Preisfond und fehlender Spitzenspieler an einer deutschen Meisterschaft teilzunehmen, nur leider werde ich mich wahrscheinlich nicht mehr dafür qualifizieren.

Deutscher Meister wurde Sergey Kalinitschew aus Berlin, dem es in der letzten Runde gelang, seine verlorene Partie gegen Thilo Kabisch noch umzudrehen und zu gewinnen, und bei Punktgleichheit war der Elofavorit GM Svane aufgrund der angewandten Wertung (Eloschnitt der Gegner) im Nachteil, er hatte ja nicht gegen sich selber gespielt. Kalinitschew verbesserte gleich auch den erst im letzten Jahr von GM Bischoff aufgestellten Rekord für den ältesten Sieger bei Deutschen Meisterschaften.

Endstand