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29.05.17

Ein persönlicher Turnierbericht eines Durchschnittspielers

Von: Frank Wallis

SCE Himmelfahrtsopen 2017

In meiner Studentenzeit habe ich öfter an Schachturnieren teilgenommen. Seit Familiengründung habe ich allerdings nur noch Mannschaftskämpfe gemacht. Mein letztes mehrtägiges Turnier bestritt ich 1992 in Köln-Porz, danach hatte ich keine Motivation mehr. Der Grund war, dass man dort ca. 300 Leute traf, aber der persönliche Kontakt sich auf wenige Vereinskameraden beschränkte. Ich kannte vor dem Turnier die gleichen Leute wie hinterher. Ich wurde einerseits von starken Unbekannten schachlich verprügelt, andererseits teilte ich meinerseits nach unten an Schwächere Prügel aus. Weniger als die Hälfte der Partien waren mit gleichstarken Gegnern. Ich landete irgendwo im Mittelfeld. Das wiederholte sich Jahr für Jahr….

Nachdem für das SCE Himmelfahrtsopen ein Gruppenmodus mit jeweils acht Leuten gleicher Spielstärke angekündigt war, habe ich mich angemeldet, weil ich hoffte, dass das hier anders wäre.
Und meine Erwartungen wurden übertroffen:

-    Die Gegner sind (nahezu) gleich stark. Das Ergebnis ist also völlig offen, jeder Tag bringt Überraschungen. Jeder kann seine Gruppe gewinnen.
-    Jede Gruppe hat separate Tische mit Namensschildern. Man kann sich also seine künftigen Gegner vorher in Ruhe beim Spielen anschauen.
-    Man tauscht sich mit seinem jeweiligen Spielpartner über die anderen sechs Teilnehmer (die künftigen Gegner) aus. Man hat ein erstes gemeinsames Gesprächsthema zum Einstieg.
-    Man isst (zumindest teilweise) zusammen Mittag (mir hat die Bewirtung gut gefallen, außerdem gab es Kaffee im Turniersaal. Die Turnierorganisation war klasse!), analysiert gemeinsam, und unterhält sich jeden Tag ein bisschen mehr. Toll war das Wetter, man konnte im Biergarten sitzen.
-    Auf diese Weise habe ich die sieben Mitspieler „meiner“ C-Gruppe persönlich kennengelernt, und das finde ich für vier Tage ein tolles Ergebnis (Thomas, Bernhard, Stefan, Hans, Peter, Michael, Roland).

Fast hätte ich die C-Gruppe trotz 25 Jahren Turnierpause sogar gewonnen, wäre mir mein zuvor unverschämtes Glück auch in der letzten Runde treu geblieben. Aber leider hat es nicht sollen sein. Aber der immerhin erreichte zweite Platz ist nicht der Grund, warum ich erwäge, beim nächsten Mal wieder mitzuspielen….
Auch dieses Turnier war natürlich mit vier „besetzten“ Tagen ein großer zeitlicher Aufwand. Aber dieser hat sich (im Gegensatz zu den Riesenopen) durch die neugewonnenen persönlichen Kontakte gelohnt.

Zur Klarstellung: Für unsere Spitzenspieler vom SCE gelten natürlich andere Maßstäbe, für die schachliche Entwicklung sind diese Riesenopen wichtig. Ich wende mich eher an die „Normalos“: Überlegt euch, beim nächsten Mal mitzuspielen, bei diesem Modus lohnt sich das!