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21.02.17

Erste gewinnt das Derby gegen Forchheim

Von: Maximilian

und hat nun beste Chancen auf den Klassenerhalt in der 2.BL

An diesem Zweitligawochenende hatten wir unsere Einzelrunde gegen Reisepartner Forchheim. Die Ergebnisse (sowie die Aufstellungen) vom Vortag deuteten stark darauf hin, dass unsere bis dato 5 Mannschaftspunkte ziemlich sicher nicht ausreichen würden und wir nochmal nachlegen sollten. Forchheim war mit 7 Mannschaftspunkten gegen den Abstieg bereits in einer relativ komfortablen Lage, aber auch noch nicht 100% sicher.

Bei den Gastgebern fehlte Spitzenbrett GM Jirovsky, dennoch waren unsere Gegner von der Aufstellung her leicht favorisiert – und hatten nun auch einen möglichen Vorbereitungsvorteil, denn wir spielten unsererseits mal wieder in derselben Aufstellung wie bisher jedes Mal in dieser Saison, nämlich 1-8.

Nach dem leichten Trauma in Sachen Spielmaterial sahen wir die vertrauten Forchheimer Holzfiguren wieder, die uns ja bereits am letzten Doppelspieltag gegen Garching und Passau Glück gebracht hatten :) (unseren Gegnern allerdings auch).


Eddis Partie gegen den Forchheimer Mannschaftsführer Manfred Heidrich war als erste zu Ende. In einer ruhigen Caro-Kann-Variante kam es bereits früh zu einer Zugwiederholung, der keiner ausweichen wollte und so einigte man sich auf Remis.


In meiner Weißpartie kam Englisch mit frühem d4 auf‘s Brett. Ich erreichte schnell eine angenehme Stellung, in der ein weißer Läufer auf c4 die schwarze Entwicklung stark behinderte. Schwarz versuchte, ihn mit einem Springer zu vertreiben, dies erlaubte allerdings eine taktische Möglichkeit am Königsflügel, die mit der Drohung verbunden war, mit der weißen Dame über h5 einzusteigen. Schwarz stand hier bereits auf verlorenem Posten; er versuchte eine Abweichung, der Schaden wuchs aber schnell auf einen ganzen Turm an, wonach Schwarz bald aufgab.

So gingen wir früh in Führung und da es auch bei Lukas schon sehr vielversprechend und ansonsten ordentlich aussah, machten wir uns bereits verstärkt Hoffnungen auf den Mannschaftssieg.

Thomas erarbeitete sich im Mittelspiel eine schöne Initiative mit Raumvorteil am Königsflügel und einem Mehrbauer am Damenflügel, der allerdings verdoppelt und daher nicht allzu viel wert war. Er brachte seinen h-Bauern bis nach h6, wodurch der kurz rochierte König von Schwarz sich ständig latenten Mattdrohungen gegenübersah. Thomas besetzte außerdem die b-Linie, konnte aber vorerst nicht entscheidend durchdringen, da ein schwarzer Springer auf d5 zäh die entscheidenden Einbruchsfelder auf beiden Flügeln verteidigte. Gerade als er seinem Gegner eine Möglichkeit ließ, sich vom Druck zu befreien, beging dieser allerdings den entscheidenden Fehler, indem er eine Läufergabel übersah.

An Brett 2 besetzte Alex nach einer Flankeneröffnung seines Gegners mit Schwarz das Feld d4 und stellte seinen Gegner vor die Frage, wie er seinem rückständigen Bauern auf d3 helfen will. Weißes d4 wäre im Mittelspiel möglich gewesen, hätte aber zu einer strukturell sehr ausgeglichenen Stellung mit lediglich leichter weißer Initiative geführt. Das war Weiß zu wenig und so versuchte er, das Feld d4 stattdessen mit einem anderen Vorstoß freizukämpfen. Alex stellte sich aber solide auf und eroberte das Läuferpaar. Es entstand eine unklare Stellung, von der beide Spieler in der späteren Analyse dachten, dass nur der jeweils andere auf Gewinn spielen könne. Und so war der Remisschluss wohl das folgerichtige Ergebnis.

Zur Zeitkontrolle führten wir damit 3:1 und auch an den übrigen Brettern sah es insgesamt sehr gut aus.

Den nächsten vollen Punkt holte Lukas. Er opferte mit Schwarz in einem Alapin-Sizilianer die Dame gegen 3 Leichtfiguren und erreichte damit direkt eine angenehme Stellung. Die weiße Dame verlief sich nach h4 um direkten Belästigungen zu entgehen; dort war sie aber nicht sicher und drohte nach Lg4 von Schwarz gefangen zu werden. Dies konnte Weiß nur unter Verlust seiner letzten verbliebenen Leichtfigur verhindern. Später tauschte sich noch ein Turmpaar und Lukas gewann zusätzlich eine Qualität, sodass er nun 3 Leichtfiguren + Turm für die Dame hatte. Er gab dann allerdings unnötigerweise seine letzten Bauern her, um den gegnerischen König in einem Mattnetz zu fangen, in dem dieser aber nicht sofort matt wurde. Nun mussten es also definitiv die Figuren auf dem Brett mit dem Mattsetzen richten. In der Folge gelang es Lukas aber, mit einer hübschen Figurenaufstellung, das Matt (bzw. die Aufgabe des Gegners) zu erzwingen.

Damit hatten wir schon 4 Brettpunkte und da Hanna schon seit geraumer Zeit nur auf zwei Ergebnisse spielte, war der Mannschaftssieg hier so gut wie sicher.

Philipp spielte mit Weiß an Brett 1 gegen den für seinen ausgeprägten Kampfgeist bekannten GM Jansa, und es wurde die erwartet schwierige Partie. Im damenlosen Mittelspiel waren die Springer von Schwarz beunruhigend aktiv, aber Philipp konnte seine Stellung irgendwie zusammenhalten ohne in materiellen Nachteil zu geraten. Er konnte allmählich immer mehr Material tauschen, bis die Partie schließlich in ein Leichtfigurenendspiel Läufer gegen Springer mit Bauern auf beiden Flügeln mündete, das er am Ende mit dem Läufer souverän zum Remis steuerte. Damit machte er das 4,5 und somit den Mannschaftssieg endgültig perfekt.

Stefan sah sich mit einer ungewöhnlichen Eröffnung gegen seine Französische Verteidigung konfrontiert, anscheinend eine Spezialität seines Gegners. Ein Damenausfall provozierte g6 von Schwarz, wonach ein weißer Läufer auf h6 Stefan an der kurzen Rochade hindern konnte. Beide Spieler verbrauchten recht viel Zeit in der Eröffnung und die Stellung war durchaus unangenehm für Schwarz, da einige taktische Ideen für Weiß in der Luft lagen. Es kam aber schließlich zu einer Abwicklung, in der sich viel Material tauschte und eine sehr remisliche Stellung entstand. Weiß versuchte trotzdem noch einiges und konnte sich im entstehenden Springerendspiel etwas Raumvorteil erarbeiten. Die Könige liefen schließlich zu unterschiedlichen Flügeln, aber Stefan konnte seinen Springer für den letzten weißen Damenflügelbauern geben und danach mit seinem König die letzten weißen Königsflügelbauern zum Remis eliminieren.

Die längste Partie spielte Hanna. Aus einer Anti-Sizilianisch-Variante entstand eine eher positionelle Stellung. Im Mittelspiel fand Hanna einen starken Damenzug, den ihr Gegner wohl übersehen hatte und der ihn einen Bauern kostete. Er versuchte dann, am Damenflügel Gegenspiel zu finden, sah sich aber später genötigt, die Dame wieder zurückzuziehen und zum Tausch anzubieten. Der Damentausch verbesserte zwar die schwarze Bauernstruktur, gab aber Weiß ausgezeichnete Gewinnchancen bei minimalem Risiko. Nachdem zuerst die Springer und danach einige Bauern getauscht wurden, entstand ein sehr interessantes Turmendspiel mit weißen c- und e-Bauern gegen einen schwarzen h-Bauern, das wir als Kiebitze nicht so recht einschätzen konnten. Schwarz verteidigte sich geschickt und konnte am Ende den halben Punkt retten. Mit den starken 4,5 Punkten, die Hanna bisher in dieser Saison an Brett 3 gesammelt hat, hat sie bereits eine WGM-Norm praktisch sicher und auch eine IM-Norm ist in Reichweite!

Insgesamt geht also der Mannschaftskampf mit 5,5-2,5 an uns. Damit haben wir jetzt 7 Punkte auf dem Konto und sogar ein positives Brettpunkteverhältnis! Unsere Chancen auf den Klassenerhalt sind nun hervorragend - auch das Ligaorakel (das zu Beginn der Saison noch äußerst skeptisch war) gibt unsere Abstiegswahrscheinlichkeit mittlerweile mit unter 1% an. Absolut sicher sind wir aber leider noch nicht. Beim letzten Doppelspieltag am 18./19. März vor heimischem Publikum (@heimisches Publikum: Termin vormerken!) haben wir zunächst am Samstag gegen Bindlach die Chance, alles klar zu machen. Ansonsten fällt die Entscheidung erst am Sonntag (gegen Aue) im Fern-“Duell“ mit Plauen, Garching und evt. auch Forchheim.

SC FORCHHEIMSC ERLANGEN
1Vlastimil JansaPhilipp Wenningerremis
2Andreas RupprechtAlexander Hilverdaremis
3Alexander SeybHanna Marie Klekremis
4Manfred HeidrichEduard Millerremis
5Hans-Juergen DoeresMaximilian Merkert0 : 1
6Lukas SchulzStefan Liepoldremis
7Berthold BartschThomas Walter0 : 1
8Philipp AuburgerLukas Boettger0 : 1

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