Pictogramm Schach

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05.02.19

Intergalaktischer Bericht...

Von: Dustin

...vom irdischen Sieg der Zweiten gegen Postbauer!

„Einer verliert immer!“ ließ sich Philipp Wenninger bereits vor mehreren Jahren inmitten der Hallen des SC Erlangen vernehmen. Seitdem hat keine Mannschaft, in der ich gespielt und über die ich berichtet habe, einen Mannschaftskampf ohne Einzelniederlage gewonnen. Niemandem gelang es, den Lehrsatz von Wenninger zu widerlegen, noch konnte jemand seine universelle Gültigkeit unwiderruflich beweisen.


Wir schreiben das Jahr MMXIX. Acht Helden machen sich auf, um den vor Urzeiten in Stein gemeißelten Lehrsatz von Wenninger auf die Probe zu stellen. Werden sie den Lehrsatz tatsächlich widerlegen können – oder wen wird er diesmal treffen? Doch was ist das? Die Helden scheinen sich der Schwere ihrer Bürde überhaupt nicht gewahr zu sein! Angeführt von einem Spaßvogel, der die gesamte Truppe per E-Mail „just for fun“ zum Bahnhof statt zum Spiellokal lotste, um mal zu sehen, ob jemand echt so doof wäre und darauf reinfallen würde. Unter den Helden befinden sich weiterhin ein Sonnenbrillenguru, ein Oberligamaterialfetischist, ein fast trockener Alkoholiker, ein Matheklausurenlerner, ein braungebrannter, ständig urlaubsreifer Sunnyboy, ein Seeungeheuer im Winterschlaf und der Marius. Wie zum Geier kann dieser zusammengewürfelte Haufen seine Mission überhaupt ernst nahmen, geschweige denn erfüllen? Das Unterfangen scheint aussichtslos, noch bevor es begonnen hat. Wie wenig sich die Helden der Ernsthaftigkeit der ihnen zugeteilten Aufgabe bewusst waren, zeigt schon der folgende, lächerlich humoristische Bericht ihres Spitzenbrettes...


Moin!

Wir von der Zweiten haben mal wieder Schach gespielt. Was ja in einem Schachverein angeblich gar nicht mal so unüblich sein soll!


Ha ha ha, sehr witzig.


Klappe, jetzt bin ich dran! Jedenfalls, weil wir das mit dem Schachspielen schon seit mehreren Jahren auch ziemlich gut machen, wollten wir auch unsere Gäste aus Postbauer-Heng besiegen, um dem Aufstieg einen weiteren Schritt näher zu kommen! Außerdem ist Schach cool, gewinnen ist cool und bei Minusgraden in der gut geheizten Kegelbahn zu sitzen ist ebenfalls cool! Nun ja, eigentlich nicht, aber das ist ja schließlich auch der Sinn von Heizungen ;)

Unsere Gegner traten zwar nicht in Bestbesetzung an, aber dennoch mit einer nicht zu unterschätzenden, guten Truppe! Durch Schleckymonsters herausragendes Organisationstalent hatten wir trotz leider immer noch geschlossener Gaststätte ausreichend Verpflegung zur Hand, und somit... wie bitte? Ich habe ein Kompliment verteilt? Oh, Entschuldigung, so etwas kommt nicht wieder vor. Ich meine, jeder Depp hätte daran gedacht, dass zeitgleich und am selben Ort auch noch ein U10-Kükenturnier stattfand und hätte Unmengen an Getränken und Süßigkeiten für die Kids besorgt, einen seinen Job sehr gut machenden Vor-Ort-Organisator organisiert, sich auch noch die Zeit genommen, die Urkunden für die Zwerge liebevoll zu designen und auch noch an eine extra Kasse und wahrscheinlich unzählige andere Kleinigkeiten gedacht! Das war nun wirklich keine besondere Leistung unseres Vereinsaliens mit dem Weitweg-Galaxie-Meistertitel! Und wenn doch, dann war's halt doch ein Kompliment ;) Wieso Vereinsalien, fragt der geneigte Leser? Ja, ich mein, hallo? Auffällig hohe Stimme, nicht hoffnungslos introvertiert und benutzt auch noch ein eigenes Klo – solche Wesen kennen wir doch laut den guten alten Schachspielerklischees gar nicht ;)

So. Wo war ich jetzt eigentlich vor meiner extraterrestrischen Abschweifung? Ach ja, beim Mannschaftskampf. Dann mal ohne weitere Umschweife zu den P... ach so, da fällt mir noch was ein!

Spaaaaaaß! Zu den Partien! ;)


Die kürzeste spielte Stefan gegen Jürgen Röbers beschleunigten Drachen. Offenbar war Stefan bei Hanna Marie in die Lehre gegangen, jedenfalls spielte er Schach wie von einem anderen Stern – wie schafft man es eigentlich, in nur 26 Zügen zwei Bauern, einen Springer und einen Läufer zweimal zu opfern? Natürlich wusste ich als großer Fan des Exweltmeisters Michail Tal die Antwort schon, aber was ist mit dem geneigten Leser? Objektiv hätte der Angriff zwar nur zu Dauerschach statt zu Matt führen sollen, aber wen interessiert auf Alpha Zentauri schon Objektivität... außer Alpha Zentauro vielleicht, die außerirdische Schachengine, die zu Tarnungszwecken ein paar Buchstaben ihres Nachnamens weggelassen hat ;)


Auch Marius hatte wieder den Turbo eingelegt. Offenbar hat er „Attack me if you dare, I will crush you!“ auf seiner Stirn stehen, denn nach dem letzten Mannschaftskampf versuchte es diesmal mit Michael Ceglar schon sein zweiter Gegner in Folge mit einem Schwarzgambit. Nachdem die Fans beim letzten Mal aus Marius' unerschöpflichem Repertoire im Prinzip nur „alles einsacken und gewinnen“ zu sehen bekommen hatten, wurden sie diesmal auch mit Marius' subtileren Techniken „abwickeln“, „lavieren“ und „Matt im Endspiel“ verwöhnt. Nice ;)


Martin trat mit Schwarz gegen Erich Fischers Colle-Aufbau an, der dann auch zu einer Colle-typischen Angriffsstellung für Erich führte. Martin sackte einen Bauern ein, doch im Gegenzug sah seine Königsstellung wenig vertrauenerweckend aus und Erich nutzte dies mit einem schönen Turmopfer aus! Dann ließ er allerdings die Möglichkeit zum Mattsetzen verstreichen und bot in immer noch gewonnener Stellung Remis, gerade als Martin die Dame hätte geben müssen, um nicht matt zu werden! Scheinbar hatte Erich nur Dauerschach im Sinn gehabt und so die Gewinnchancen nicht erkannt – Glück für Martin bzw. für uns, Pech für Philipps Lehrsatz! :D


Thomas W spielte gegen Martin Stürmer eine – wie nennt man dieses Hin-und Hergeziehe nochmal? Ach ja – langwierige Manövrierpartie ;) So langwierig wurde sie dann aber doch nicht, denn Thomas fand als Erster eine Lücke in der gegnerischen Abwehr, drang entscheidend mit den Türmen ein und gewann mit einer hübschen Schlusskombination so viel Material, dass sich Martin geschlagen geben musste!


DiddlD erreichte gegen Eric Stertkuhls Caro-Kann ein gutes Endspiel, in dem er die offene e-Linie mit seinen Türmen beherrschte. Nach einigem Manövrieren stellte sich allerdings heraus, dass es nicht so richtig weiterging. So tauschten sich die Türme schließlich runter und die Partie endete remis.


Nachdem Alex am Freitag unser 19-Uhr-Training unter dem Deckmantel des Arguments 'ihr habt alle was davon, wenn wir eine vorgegebene Stellung ausspielen und dann analysieren' für seine Katalanischvorbereitung missbraucht und mich auch noch in unserer Trainingspartie geschlagen hatte, war ich nun noch ein bisschen motivierter als sonst! (Spaß – an dieser Stelle mal offiziell ein großes Dankeschön für die Mühe, die du dir immer gibst, sowohl schachlich als auch pädagogisch xD) Ich kam gegen Pascal Grimms Londoner System mit Schwarz sehr gut aus der Eröffnung und konnte im damenlosen Mittelspiel auf beiden Flügeln Druck machen. Schließlich verriegelte er den Damenflügel, was allerdings einen Bauern am Königsflügel kostete, den ich letztlich im Leichtfigurenendspiel verwerten konnte!


BUH!!!!!!!!!!!! So, ist der eingenickte Leser jetzt wieder wach? :D Ich verstehe ja, dass die letzten drei Partien nicht sonderlich interessant und spannend klangen, aber hey, dafür kommt jetzt Captain Andis Partie, das verspricht doch Abwechslung! Nicht? Oh :p Jedenfalls wurden gegen Stefan Ratscheu früh die Damen getauscht und dann wurde es schnell rem... halt! Was? Nicht? Nein! Andi fixierte durch einen Zentrumsvorstoß einen gegnerischen schwachen Bauern, hatte die einzig offene f-Linie mit seinen Türmen (die Live-Wettquoten für ein Remis stiegen dadurch von 1 : 1,001 auf 1 : 1,01), drang mit dem (weißen) Springer nach f5 vor (1 : 1,1), gewann einen Bauern (1 : 2), zog ein bisschen mit dem König hin und her (1 : 1,5), hatte vielleicht ein bisschen zu viel Respekt vor Stefans Springer, der in Andis Damenflügel einzudringen drohte (1 : 1,2), griff im Gegenzug mit seinem Springer ebenfalls Stefans Damenflügelbauern an (1 : 3), schnappte sich einen zweiten Bauern (1 : 15) und Stefan gab sich geschlagen!


Die formal längste Partie spielte Lüssi mit Schwarz gegen Martin Sippl. Lüssi demonstrierte sehr effektiv eine Grundidee seines Rubinsteinfranzosen – die Dinge einfach halten, sich solide entwickeln und bei überhasteten und nicht gut genug koordinierten gegnerischen Angriffsversuchen einfach mal ein paar ungedeckt herumstehende Bauern einsacken! Gut, das war vielleicht sogar mehr als nur eine Grundidee ;) Lüssi gab sogar zeitweilig seinen Springer, um Martins Angriff vollends abzuschlagen, da Martins eigener Springer inmitten von Lüssis Lager ebenfalls gefangen war! Schließlich setzte Lüssi selber matt und setzte damit unseren souveränen Mannschaftssieg die Krone auf! (Der Akkusativ ist den Dativ sein Tod!)


Danach ging's noch zum „Türkaliener“ Döner und Pizza futtern und abends trafen sich einige von uns noch mit den Patzern von der Ersten, die ebenfalls souverän gewonnen hatten und nun erfolgreich den neuen Burgerladen (Mammam) in der Erlanger Innenstadt testeten!


Es reicht.

Wie der Leser nun mit eigenen Augen gesehen hat, wird diese unseriöse Aneinanderreihung von Wörtern, die nicht einmal die Bezeichnung „Text“, geschweige denn „Bericht“ verdient, in keiner Weise der Dramaturgie gerecht, mit der Wenningers Theorem endgültig durchbrochen werden konnte. Allein schon Martins Fast-Niederlage, bei der das ganze Universum den Atem anhielt und gebannt zuschaute, wurde leichtfertig mit einem „Pech für Philipps Lehrsatz!“ abgehandelt. Dass ausgerechnet dieser Haufen von Pausenclowns diese Herkules-Aufgabe geschafft hat – natürlich nur durch Glück und Zufälle – wird als eines der größten ungelösten Rätsel in die Geschichte der homo sapiens eingehen. Ich dagegen kehre jetzt in meine Heimat zurück. Ende.


Hey, nicht so schnell! Es fehlt noch die Liste der Liepold-Koeff...


Unverändert.


Ach ja, stimmt ja :D Also dann, ciao!

...Komischer Typ war das. Sah aus wie ein Außerirdischer und meinte, sein Heimatplanet sei überbevölkert und seine Rasse müsse expandieren. Dann hat er ständig was gemurmelt von wegen „total verrückt alle hier“, „nicht eroberwungswürdig“ und „müssen uns woanders umsehen“. Naja, und jetzt isser halt wieder weg. Ich mach dann auch mal Schluss für heute – in drei Wochen geht es weiter und wenn alles gut läuft, könnten wir dann theoretisch schon als Aufsteiger feststehen!


Ob es wirklich so kommt und wie wir uns dann schlagen werden, erfährt der interessierte Leser zu gegebener Zeit!