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13.11.17

Kein Erfolg unter dem Zimbelstern

Von: Alex

Die Erste verliert am dritten Spieltag der 2. Bundesliga Ost gegen Forchheim mit 3.5-4.5

Mit dem Musiksaal der Orangerie hatten wir einen besonders attraktiven und feierlichen Spielort für das Prestigeduell gegen Forchheim gewonnen - umgeben von diversen Klavieren und einer Orgel (mit Zimbelstern!). Allein, es half nichts - wir verloren trotzdem. Auch wenn wir zwischenzeitlich nach Siegen von Stefan und Philipp mit 2.5-0.5 in Führung lagen, kann man, glaube ich, nicht behaupten, dass Forchheim unverdient gewonnen hätte. Ich denke, sie hatten über den ganzen Mannschaftskampf gesehen durchaus die Nase vorn. Es war aber andererseits sicher auch mindestens ein 4-4 für uns drin. Auf jeden Fall müssen wir uns aber noch steigern, wenn wir in der 2. Liga verbleiben möchten. Das schwarzmalerische Ligaorakel hat sich bereits entschieden: 98,8% für den Abstieg Erlangens. 

Zu den Partien (soweit ich es mitbekommen habe, die Partien sind noch nicht online):

Unsere Verstärkung aus Forchheim, FM Florian Ott, hat sich, trotz Klek'schen Frühstücks anscheinend noch nicht ganz in den Erlanger Verhältnissen eingefunden. Ein Versehen in später Eröffnungsphase mündete in einer schlechteren Stellung. Die etwas überraschende Remisofferte von Hans-Jürgen Doeres wurde dann auch dankbar angenommen. Vermutlich hätte Flo das Endspiel gehalten, zumindest war er da sehr selbstbewusst, aber ein bisschen Quälerei hätte es doch trotzdem bedeutet.

Als nächstes war Stefan dran. Obwohl sein Stellungsvorteil während der nachträglichen Analyse auch von Erlanger Seite bezweifelt wurde, mangelte es ihm nicht an zahlreichen Ideen. Als sich dann Jörn Bades Durchbruch am Damenflügel als eher kooperativ erwies, konnte Stefan die dadurch geschlagene Bresche verwenden, um seine Streitkräfte zum gegnerischen König zu lancieren. Punkt für Erlangen.

Mit guten Theoriekenntnissen gerüstet gelang Philipp eine ansehnliche Partie gegen IM Andreas Rupprecht. Sie war so überzeugend, dass sie Rupprecht zu der späteren Selbsterkenntnis verhalf, dass Königsindisch eigentlich nicht die ideale Eröffnung ist, wenn man eher ruhigere Stellungen haben möchte. Philipp wusste noch, dass das Figurenopfer y.Sc6 die Widerlegung des gegnerischen x...Lh6 war. Die Widerlung selbst musste er dann aber am Brett finden, was er aber eindrucksvoll mit zahlreichen taktischen Motiven bewerkstelligte. Lediglich ein Mal ließ er seine Dame stehen, sodass er noch das einzügige Matt hätte finden müssen, wenn der Gegner sie geschlagen hätte... 2.5-0.5 für den Gastgeber.

Gewohnt ambitioniert ließ es FM Eddi mit Weiß gegen den Wahl-Forchheimer Lukas Schulz angehen: ein Bauernopfer auf e6 führte zu ausreichend Sprengstoff in der Stellung. Nach Eddis Urteil hatte er danach immer irgendwie ausreichend Kompensation, doch bleibt im Nachhinein die Frage, ob der Ansatz wirklich clever war, bekam doch auch Schwarz dadurch einige Chancen. Andererseits: wenn er gewonnen hätte, hätte man ihn wohl für seine Originalität gelobt. Wie dem auch sei, 2.5-1.5.

Keinen guten Tag erwischte WGM HM mit Schwarz gegen GM Jirovsky. Nach einer strategisch eher zweifelhaften Entscheidung x...exf3, bekam Jirovsky einen Stellungstyp, den er sehr gerne spielt. So zeichnete sich seine Spielweise dann auch als die überlegene aus. Er gewann einen Bauern, den er sicher verwertete. 2.5-2.5

Die drei verbliebenen Partien von Alex, Kevin und Bene boten noch ausreichend Spannung für den etwas späteren Nachmittag. Während in Kevins Stellung nicht wirklich was los war, (wahrscheinlich nie gewesen ist? Slawisch-Abtausch), befand sich auch Benes Stellung im Gleichgewicht, hier jedoch mit Potenzial in beide Richtungen. Alex hatte zu diesem Zeitpunkt etwas Endspielvorteil, der allerdings nicht leicht zu verwerten war, ist es doch für seinen Gegner, FM Manfred Heidrich, ein Metier, in dem er einige Expertise besitzt.

Unser Ersatz für Maxi, Bene, der eine großartige letzte Saison für die Zweite gespielt hatte, misslang das Debut für die Erste leider. Seine Partie ging verloren, wobei ich aber nicht mitbekommen habe, wodurch genau. Nun lagen wir zurück: 2.5-3.5

Bei Kevin war leider immer noch nichts los. Er lehnte das gegnerische Remisangebot zwar wiederholt ab, das änderte aber leider nichts an der Stellung. Irgendwann musste er sich fügen: 3-4

Alex, der mittlerweile ein Damenendspiel auf dem Brett hatte, war in der Zwischenzeit an die Grenzen seines Spiels auf Sieg gestoßen. In der Eröffnung bekam Heidrich zunächst mit einer schönen Kombination Vorteil. Die Stellung war aber so kompliziert, dass sich das Blatt bereits einige Züge später wendete und Alex aussichtsreichen Vorteil erhielt - allerdings unter der Auflage großer Zeitnot. Er traf die pragmatische Entscheidung, in ein Dame + Turm Endspiel überzugehen. In der Folge ging es aber nicht so richtig weiter, beim Übergang ins Damenendspiel war ihm eine Ressource des Gegners entgangen. Danach versuchte er noch einiges und bekam sogar einige Male einen Tablebases-Gewinn aufs Brett. Allerdings einen von der schwer zu verwertenden Sorte, besonders wenn man nur noch vom Inkrement lebt. Nach 6:55 Stunden und 122 Zügen musste er die starke Verteidigungsleistung seines Gegners anerkennen. 3.5-4.5

Der nächste Doppelspieltag gegen Garching und Noris Tarrasch Nürnberg am 9./10.12. wird darüber befinden, ob wir absteigen oder noch Chancen auf den Klassenerhalt haben.

Zum Siegen verdammt ist nun auch offiziell die Zeit angebrochen, Heldentaten zu vollbringen!

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SC Erlangen - SC Forchheim 3,5-4,5
WGM Klek, Hanna Marie 2368 - GM Jirovsky, Milos 2446 0-1
Wenninger, Philipp 2329 - IM Rupprecht, Andreas 2406 1-0
Hilverda, Alexander 2369 - FM Heidrich, Manfred 2354 remis
FM Miller, Eduard 2348 - Schulz, Lukas 2223 0-1
FM Ott, Florian 2329 - Döres, Hans-Juergen 2206 remis
Liepold, Stefan 2146 - Bade, Jörn 2289 1-0
Tong, Kevin 2146 - Wagner, Robert 2054 remis
Nehls, Benedikt 1998 - Stäblein, Christoph 2181 0-1

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