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17.12.18

Zweite schlägt Kelheim...

Von: Dustin

...ohne James Bond-Spruch!

Am Sonntag ging's für unsere Zweite zu Hause gegen das abstiegsgefährdete Kelheim, das wir auf keinen Fall unterschätzen wollten! Und dann haben wir sie auch nicht unterschätzt! Sie waren nur einfach stärker als gedacht! ;) Außerdem haben wir kaum noch funktionierende Uhren. Und die Oberligafiguren waren für uns auch eine ganz schöne Umstellung! Habe ich noch eine Ausrede vergessen? Ach ja, es hat auch noch geschneit! :D

Ne Quatsch. Nochmal von vorne: Wir empfingen heute die Schachfreunde aus Kelheim, denen bislang in dieser Saison noch kein Mannschaftspunkt gelungen war, die das aber ganz offensichtlich ändern wollten! Und es wurde ein spannendes Match, das erst im letzten Moment entschieden wurde – aber los geht’s natürlich von vorne:

Bei uns fehlte Stefan, der bei den Patzern von der Ersten aushalf, außerdem pausierte DiddlD ebenfalls. Dafür spielten der „irre Ire“ Bene und Gerrit, bei denen wir uns ganz herzlich fürs Spannendmachen des Wettkampfes bedanken wollen! Spaaaaaaaß :p :p :D

Gerrit stellte mit Schwarz gegen Jakob Waldmüller fest, dass das Londoner System gar nicht mal so schlecht ist, denn er bekam nicht alle Figuren so problemlos ins Spiel wie Jakob. Nach Gerrits Zentrumsdurchbruch tauschten sich ein paar Figuren ab, doch auch im Endspiel blieb dasselbe Problem bestehen, zu dem sich dann auch noch Zeitnot gesellte. Unter dem Druck auf dem Brett und der Uhr brach Gerrit dann leider ziemlich schnell ein und Kelheim hatte das verdiente Führungstor geschossen. Kleiner Eröffnungstipp für Gerrit und andere Nicht-so-gerne-gegen-Londoner-System-Spieler: Frühes ...e6 ist nicht nötig, sondern gleich ...d5, damit der Lc8 noch raus kann!

Beim Eingeben von Andis Partien ist immer wichtig, dass sein Gegner sauber schreibt! ;) Von daher ist mir Stephan Baur durchaus sympathisch, was ihn aber noch lange nicht dazu berechtigt, so mit Andi umzuspringen wie in der Partie! ;) Stephans Springereinschlag direkt vor Andis König sah spektakulär aus, gewann allerdings „einfach nur“ einen Bauern, was Andi übersehen hatte – leider war auch nirgendwo Kompensation in Sicht, sodass sich Andi schließlich im Endspiel geschlagen geben musste – 0:2!

Von der samstäglichen gemütlichen Runde mit Alex und seinen inoffiziellen Untergebenen von der Ersten beim Amir motiviert,trat ich gegen Bernahrd Schmid und seine scharfe Anti-Nimzo-Variante an und brachte ihn mit einer scharfen Anti-(Anti-Nimzo)-Variante ins Grübeln. Für einen Bauern bekam ich ein potenziell starkes Läuferpaar und konnte Druck machen, bevor er zur Rochade kam. Schließlich wechselte seine Dame offenbar das Ufer und verfolgte meine Lady, die sich nirgendwo vor ihr verstecken konnte, auf Schritt und Tritt, sodass ich die Wahl zwischen Remis durch Zugwiederholung oder Damentausch mit Minusbauer, aber aktiver Stellung bei ungleichen Läufern hatte. Mit der Erlaubnis von Captain Andi entschied ich mich für Ersteres – 0,5:2,5.

Lüssi stand da schon die ganze Zeit auf Gewinn. Wie hatte er das gemacht? Aus der Eröffnung hatte er mit dem Londoner System gegen Cornelius Mühlich nichts Besonderes herausgeholt und hatte nach eigener Aussage „nicht das Gefühl, mit Weiß zu spielen“. Im Mittelspiel zeigte er dann, was er konnte, und zwar in geschlossener Stellung so lange herumzumanövrieren, bis alle seine Figuren auf Cornelius' König gerichtet waren! Diesem ging's dann in plötzlichem Eiltempo (Weihnachtsquizwort!) an den Kragen und Cornelius konnte das Matt nur unter Figurenverlust abwehren. Nach dem Motto „AlphaZero opfert auch immer“ spielte Cornelius noch ewig weiter, aber da er im Gegensatz zu besagter Maschine überhaupt keine Kompensation hatte, gab es am Ergebnis nichts zu rütteln – 1,5:2,5 zur Halbzeit!

Martin schoss kurz darauf gegen Fritz Eichenseer das Ausgleichstor! Im Sizilianer ging es (überraschend) um die Initiative und den sichereren König! Im 19. Zug ließ Fritz die Gelegenheit aus, das Ruder an sich zu reißen, und ab da übernahm Martin Schritt für Schritt das Kommando und konnte schließlich Fritz' Zentrumskönig zu Leibe rücken! Heraus kam dabei ein Schwerfiguren“endspiel“ mit Fritz' offenem gegen Martins sicheren König und dazu noch zwei ziemlich schnelle Freibauern für Martin, sodass Fritz sich kurz vor dem Matt geschlagen gab – 2,5:2,5. Entschuldigen möchten wir uns bei der Gelegenheit für eine kleine Panne, nämlich den Uhrenausfall während der Partie, aufgrund dessen dann eine neue Uhr eingestellt werden musste, ohne dass wir genau wussten, wie viel Zeit jeder noch hatte. Mit analogen Uhren wäre das nicht passiert – früher war alles besser und so :D

Kurz darauf schoss unser Küken Hannes das Führungsstor! Gegen Florian Bartmann demonstrierte er, wie man als Neo-d4-Spieler gewinnt: Bauern einsammeln, Figuren tauschen und dann... spektakulär eine Qualität und dann noch einen Läufer opfern, um die Mehrbauern zur Ziellinie zu führen :D 3,5:2,5 – Führung für Erlangen!

Bene spielte mit Schwarz im Najdorf-Sizilianer zu früh ...d5, woraufhin sein Gegner Heinrich Maurer mit e5 vorbeiziehen und ordentlich Druck machen konnte. Bene verlor einen Bauern und sein Versuch, diesen taktisch zurückzuerobern, machte alles noch viel schlimmer – kurzum, Bene stand nach 20 Zügen völlig breit und gab wohl nur deswegen noch nicht auf, weil noch relativ viele Figuren auf dem Brett waren und somit noch Potenzial für Fehler vorhanden war. Und dieses Potenzial „nutzte“ Heinrich voll aus, sodass Bene weitere 20 Züge später plötzlich einen Läufer gegen 2 Bauern mehr hatte! Nach der Partie gab mir Bene sein Partieformular mit den (sinngemäßen) Worten: „Ich hab' dir mal die Züge eingekreist, wo ich meiner Meinung nach Mist gemacht hab!“ Die Kreise um 43...Tc2 (nach dem Turmtausch werden die weißen Freibauern gefährlich!) und 46...La4 (so kann der Läufer die Bauern nicht stoppen) werden hiermit voll und ganz bestätigt, während Bene bei 49...Kxg5 eh schon auf Verlust stand, weil die beiden weißen Freibauern nicht mehr zu stoppen waren! Somit verlor Bene diese irre Partie doch noch – 3,5 beide und alles hing an Thomas' Partie!

Mit Weiß gegen Stefan Schillers Drachen entstand nach einem kurzen taktischen Schlagabtausch schnell eine asymmetrische Materialverteilung: Thomas' TBB gegen Stefans SS. Thomas war nach dem Damentausch dank der aktiveren Stellung am Drücker, bis er (über-)aggressiv seine solide Bauernformation e4-f3-g4 mit f4 entblößte, wodurch Stefans Leichtfiguren plötzlich was zum Angreifen hatten. Als schließlich feststand, dass diese Partie das Match entscheiden würde, schien alles möglich – in so einer Konstellation sind schließlich vor Allem gute Nerven entscheidend! Diese verlor schließlich Stefan, als Thomas mit seinem Turm fortwährend rumtrickste und Stefan – der rein objektiv betrachtet selber auf Gewinn hätte spielen können – eine Abwicklung in ein für Thomas gewonnenes Bauernendspiel zuließ. 4,5:3,5 für uns! Und was sagt der glorreiche Matchwinner mit den Nerven aus Drahtseilen hinterher zu diesem Herkulesakt? „Ey bei soner Partie, da wirste zehn Jahre älter!“ Hm. Also die in Hollywood haben da aber immer coolere Zitate drauf. Das ist ja, als hätte James Bond, nachdem er in „Spectre“ seinen Gegenspieler Hinx nach einem (mehr oder weniger) epischen Fight mit Hilfe seiner neuesten Freundin aus dem fahrenden Zug geworfen hat, gesagt: „Puuuh boah durch so'n Kampf, da wirste zehn Jahre älter. Danke Madeleine für deine Hilfe, ohne dich hätte ich diesen Hünen nie besiegt...“ :D :D

Unsere Gegner aus Kelheim waren hier nah dran an einem Mannschaftspunkt und kriegen so ja vielleicht nochmal frischen Auftrieb für den Abstiegskampf! Wie auch immer – mia san mia, mia san Erster und wir wollen im neuen Jahr den Aufstieg in die Landesliga anpacken!

Ob und wie uns das gelingen wird, erfährt der interessierte Leser zu gegebener Zeit!


Liste unserer Liepold-Koeffizienten:

Thomas W +4

Dustin, Hannes, Thomas L je +3

Stefan, Andi, Martin je +2

Peter, Marius je +1

DiddlD, Gerrit, Bene je 0