SC Erlangen ist bayerischer Vizemeister U16

Unsere U16 Mannschaft hat den Titel ganz knapp verpasst!

Ein Schachwochenende kann sehr ereignisvoll werden und entsprechend lang ist dieses Mal der Bericht.

Die Endrunde fand am 29. und 30. Juni in Waakirchen statt. Dem SC Erlangen standen mit den Schachfreunden aus Augsburg und mit SV Isental zwei hochkarätige Gegner gegenüber. Der dritte Gegner, SC Bavaria Regensburg, war zwar Außenseiter, aber auf keinen Fall zu unterschätzen. Das Mindestziel war der 2. Platz, wobei wir unbedingt um den 1. Platz kämpfen wollten; der dritte Platz war natürlich genauso wahrscheinlich. Durch den großen DWZ-Unterschied rechneten wir jedenfalls damit, nicht 4. zu werden.

Die Jungs fuhren am Freitagnachmittag an den Tegernsee und hatten nach einer langen Fahrt einen angenehmen Abend in der schönen Jugendherberge von Bad Tölz.

Am Samstag fing die erste Runde mit ein bisschen Verspätung an. Die Auslosung ergab Augsburg als ersten Gegner.

Die Partien liefen zunächst wie erwartet: Levin am Brett 1 wollte mit den schwarzen Figuren eine neue Verteidigung probieren und bekam diese aufs Brett. Rafaels Gegner spielte zwar die von ihm erwartete Variante, allerdings in einer Zugreihenfolge, mit der Rafael nicht gerechnet hatte. Die Stellung wirkte ausgeglichen. Johannes konnte ziemlich schnell ausgleichen und hatte die Bauernstruktur seines Gegners im Damenflügel ruiniert. Er war zu dem Zeitpunkt unsere beste Hoffnung. Am Brett 4 spielte Abhiraajs Gegner zwar dieselbe Verteidigungsvariante wie Rafaels, allerdings entwickelten sich die zwei Stellungen sehr unterschiedlich und Abhiraaj hatte mit den weißen Figuren einen leichten Vorteil.

Levins Gegner entschied sich für eine Nebenvariante, die zwar nicht so gefährlich wirkte, aber Levin war darauf nicht so genau vorbereitet und brauchte sehr viel Zeit um sich zu entscheiden. Er entschied sich richtig und konnte zu einem angenehmen Endspiel abwickeln; wahrscheinlich ausgeglichen. Rafael hatte eine zweifelhafte strategische Entscheidung getroffen, um Aktivität und Angriff auf die f-Linie zu haben; dafür nahm er einen Isolani und eine deutlich schlechtere Bauernstruktur in Kauf. Bei Johannes hatte sich inzwischen die Stellung komplett geändert, wobei sein Gegner durch einen Figurentausch auf c3 seine Bauernstruktur verbessern konnte. Die Stellung war trotzdem in etwa ausgeglichen, aber Johannes hatte weniger Zeit auf der Uhr. Abhiraaj konnte währenddessen seinen Vorteil weiter ausbauen indem er eine Ungenauigkeit seines Gegners perfekt ausnutzte und hatte nicht nur das Läuferpaar in offener Stellung, sondern auch einen vielversprechenden Angriff im Königflügel.

Am Brett zwei kippte Rafaels Partie zu seinen Gunsten: Er hatte den Angriff durch die f-Linie zusammen mit einem ungenauen Zug seines Gegners dazu genutzt, seinen Läufer auf f6 für einen Bauern zu opfern. Um ein schlechtes Endspiel zu vermeiden, ging sein Gegner das Risiko ein und schlug den vergifteten Läufer. Keine gute Entscheidung: Bald musste er die Dame opfern und Rafael bekam ein gewonnenes Endspiel aufs Brett, welches er sich nicht entgehen ließ: 1:0 für uns. Kurz danach stand es 2:0: Abhiraajs Angriff war immer stärker geworden. Er hatte f4 gespielt um Raum im Königsflügel zu gewinnen und auf f5 vom Gegner folgte gleich g4. Die Stellung öffnete sich und sein Angriff konnte irgendwann nicht mehr pariert werden.

Leider war die Entwicklung bei Johannes‘ Partie nicht positiv: Er erreichte zwar ein ausgeglichenes Endspiel mit jeweils einem Turm und einem Läufer, aber diese liefen auf unterschiedlichen Farben und solche Stellungen sind erfahrungsgemäß trickreich. Vielleicht spielte die Zeitnot dazu noch eine Rolle: Johannes übersah eine heimtückische Taktik und musste seinen Läufer opfern. Er kämpfte noch lange im Endspiel, aber die Stellung war leider nicht zu retten: 2:1

Levin war nun in einem gleichfarbigen Läuferendspiel. Die Stellung war völlig ausgeglichen und ein halber Punkt würde uns reichen, aber manche Zuschauer hatten ein Déjà-vu: Wie zwei Wochen davor, spielte Levin viel zu langsam. Die Qualität seiner Züge war stetig hoch, aber er erreichte schon vor der Zeitkontrolle eine extreme Zeitnotphase. Er konnte unversehrt den 40. Zug erreichen, aber er war nicht in der Lage den Spielrhythmus zu erhöhen, so dass die zweite Zeitnotphase bald wieder da war. Leider wählte er dieses Mal ein paar ungenaue Züge und verlor einen wichtigen Bauern. Unter extremer Zeitnot und in sehr schwieriger Stellung glaubte kaum jemand daran, dass der SC Erlangen den Kampf gewinnen konnte…und doch kam es so: Levin spielte stetig mit weniger als einer Minute auf der Uhr viele Einzelzüge und konnte erstaunlicherweise ein Remis retten. Wahrscheinlich hatte der ebenfalls stark spielende Vincent Blodig hier oder da eine Gewinnchance gehabt, aber auch er war inzwischen in Zeitnot geraten und konnte seinen Vorteil nicht konvertieren.

Die Mannschaft feierte dieses Ergebnis als hätten wir schon die Meisterschaft gewonnen; auch deswegen, weil Bavaria Regensburg mit einer ziemlich guten Leistung gegen Isental 2:2 spielen konnte.

Am Nachmittag, nach der guten Versorgung durch die Tegernseer, ging es an die zweite Runde gegen Regensburg. Durch einen Sieg würden wir den zweiten Platz sichern und so kam es, dieses Mal ohne so viel Spannung.

Levin konnte am Brett 1 bald mit den schwarzen Figuren ausgleichen. Trotzdem stand er vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte er Doppel- und isolierte Bauern auf der f-Linie für das Läuferpaar im Kauf nehmen? Aus meiner Sicht entschied er sich richtig dafür, allerdings brauchte er mehr als 40 Minuten für den Zug! Die nächste Zeitnotphase war unvermeidlich: Eine Stunde auf der Uhr vom Gegner für die Hälfte der Zeit auf Levins Uhr; so meinte jedenfalls Abhiraaj es gesehen zu haben. Die Realität war allerdings ernüchternd: Levin hatte lediglich 30 Sekunden und viele Züge vor sich zur Kontrolle.

Rafael spielte wieder gegen Theodor Bürger dieselbe Caro-Kann Variante wie bei der BJEM. Er wurde allerdings von einem unerwarteten und zweifelhaften Zug seines Gegners ziemlich früh überrascht. Rafael fand zwar nicht die beste Antwort, aber es reichte für einen angenehmen Vorteil.

Johannes bekam eine Alapin-Stellung aufs Brett. Er spielte solide, aber er brauchte ein bisschen Zeit um alle seinen Figuren zu entwickeln. Die Gefahr bestand darin, dass sein Gegner den dynamischen Vorteil ausnutzen konnte.

Abhiraaj stand nach der Eröffnung nur leicht besser, nachdem er die gute Gelegenheit verpasste, sein Läuferpaar zu behalten; aber als sein Gegner ihm Remis anbot, wusste er nicht genau, ob es zum Gewinnen reichen würde. Nach kürzer Überlegung lehnte er ab.

Und plötzlich kippten alle Partien glücklicherweise in unsere Richtung: Rafael nutzte seine Figurenaktivität und den Raumvorteil, um einen Matt-Angriff zu starten. Er opferte wieder seinen Läufer auf f6, aber dieser Gegner wollte ihn nicht nehmen. Es half nicht: Der Angriff war bald nicht zu halten und nur eine Ungenauigkeit auf Rafaels Seite ermöglichte seinem Gegner vorläufig Überlebenschancen zu haben. Er fand die Verteidigungsidee nicht und musste nach 25. Zügen aufgeben, weil zwei gefesselte Bauern ihm nicht erlaubten, das Matt zu vermeiden.

Abhiraaj hatte die Stellung viel besser als sein Gegner verstanden und nutzte einen unvorsichtigen Zug seines Gegners schlau aus: Abzug, Doppelangriff und Bauerngewinn. Bald hatte er noch mehr, als durch seine große Figurenaktivität und die Unsicherheit des gegnerischen Königs sein Turm die siebte Reihe erreichte. Er beherrschte dermaßen die Stellung, dass sein Gegner nichts besseres fand als seinen Springer zu opfern. Der Materialvorteil wurde zu groß und er ergab sich kurz danach: 2:0 für uns.

In der Zwischenzeit waren auch die Stellungen bei Johannes und Levin sehr vorteilhaft. Johannes hatte doch rechtzeitig geschafft seinen Damenflügel zu entwickeln. Seine zwei Läufer und der Druck auf der d-Linie, auf der ein Springer vom Gegner gefesselt war, gaben ihm große Gewinnchancen. Bald gewann er eine Figur, kam zu einem einfachen Endspiel und konnte das 3:0 für Erlangen sichern.

Levin spielte wieder erstaunlich gut durch die lange Zeitnotphase. Er hatte sich langsam aber sicher einen guten Vorteil gesichert, indem er eine deutlich bessere Figurenaktivität als sein
Gegner erreichte. Besonders seine zwei Läufer waren nicht zu halten. Dann gewann er einen Bauern und es war eine Frage der Zeit, bis er einen seiner Freibauern im Damenflügel konvertieren konnte und die Partie für sich entscheiden würde: 4:0.

Der zweite Platz war sicher, aber leider noch nicht der Platz für die DVM. Am nächsten Tag brauchten wir mindestens ein Unentschieden gegen Isental: Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Davor genossen die Jungs den Abend in der Jugendherberge, dieses Mal mit dem Fokus auf Fußball: Es wurde mit anderen Jungs und Mädchen vor und in den Pausen des EM-Matches gespielt. Natürlich wurde auch der Auftritt der deutschen Nationalmannschaft mit Spannung verfolgt und am Ende gefeiert.

Am nächsten Tag kamen wir drei oder vier Minuten später zur dritten Runde. Das Aufräumen des Zimmers hatte doch ein bisschen mehr Zeit in Anspruch genommen. Alle waren gut vorbereitet und somit zuversichtlich, das höchste Ziel erreichen zu können.

Die Eröffnungen liefen allerdings nicht hundertprozentig gut: Levin und sein guter Freund Leo Navarro spielten blitzschnell und landeten bald in einer von ihnen bekannten Remis-Stellung, bei der Leo zwar viel Material geopfert hatte, dafür aber Dauerschach erreichte: ½ - ½. Nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht besonders gut, weil Levin die weißen Figuren führte.

Bei Rafael und Johannes lief es ähnlich: Sie waren zwar zunächst in der Vorbereitung, aber irgendwann reagierten sie unpassend auf die Zugauswahl ihrer Gegner. Während Rafaels Partie sehr schwierig wurde, hatte Johannes vorerst nur einen kleinen Nachteil, dafür leider eine unangenehm zu spielende Stellung.

Auch Abhiraajs Eröffnung lief zuerst nach Plan, aber eine kleine Ungenauigkeit brachte ihn aus der Ruhe: Die Stellung war zwar objektiv ziemlich ok, allerdings bedrohlich, weil sein König noch nicht rochiert hatte.

Dann blieb es eine ganze Weile spannend: Tim Geist, Rafaels Gegner, nutzte seine Chancen nicht, seinen Vorteil auszubauen und ein paar gute Züge von Rafael stabilisierten die Stellung. Bei Johannes lief es leider in die andere Richtung: Er fand nicht die befreienden Züge und sah zu, wie sein Gegner allmählich den Druck erhöhte. Abhiraaj dagegen konnte eine schlechte Phase überstehen und stand nun leicht besser. Es war alles drin.

Die positive Überraschung kam dieses Mal aus Brett 2: Rafael opferte wieder, dieses Mal ein unmögliches Zauberopfer seines Turms auf c2, der weder vom König noch vom Läufer geschlagen werden konnte. Tim Geist fand zwar mit einem Gegenopfer seiner Dame die beste Fortsetzung, konnte allerdings nicht vermeiden im sehr nachteilhaften Endspiel zu landen: Dame und vier Bauern für Rafael gegen zwei Türme und zwei Bauern für Tim. Der erste Platz rückte näher.

Und doch war das nicht unser Schicksal. Leider musste bald Johannes eine Qualität opfern, sodass ihm kaum Chancen übrig blieben. Rafael überlegte eine Weile und fand nicht den Gewinnweg: Der Materialvorteil schien nicht zu reichen, weil die Türme das Vorangehen seiner h- und f-Bauern bremsen konnten. Die Chance hatte er ein paar Züge davor verpasst: Er hätte auf das Schlagen des g5-Bauern verzichten müssen und dafür seine Dame zentralisieren und seinen König aktivieren müssen: Remis an den ersten zwei Brettern und 1:1.

Dann ging alles sehr schnell: Abhiraaj musste gewinnen und er hatte lediglich einen minimalen Vorteil; bald übersah er leider die Kraft eines stillen Zuges seines Gegners und geriet unter großen Druck. Den einzig rettenden Zug konnte er auch nicht finden und kurz danach musste er sich geschlagen geben. Auch Johannes verlor sein hoffnungslosen Turmendspiel: 1:3 für Isental.

Unsere Jungs waren erst einmal ziemlich enttäuscht, weil sie die bayerische Meisterschaft so nah gesehen hatten, aber sie sahen bald ein, dass der zweite Platz ein sehr gutes Ergebnis ist.

Den Gewinnern vom SV Isental gratulieren wir für die starke Leistung und wir bedanken uns auch bei der Organisation in Waakirchen.

Hier die Einzelergebnisse aller Runden: https://www.ligamanager.schachbund-bayern.de/bsj/ergebnisse/spielplan.htm?untergruppe=637&ligaId=2323

 

DWZ

1

2

3

4

Einsätze

%

1

Isbilir, Levin

2059

1

½

1

½

3.0

4

75 %

2

Martin Fernandez, Rafael

2005

1

1

1

½

3.5

4

88 %

3

Keck, Johannes

1815

 

0

1

0

1.0

3

33 %

4

Arora, Abhiraaj

1876

 

1

1

0

2.0

3

67 %

5

Martin Fernandez, Félix

1573

0

 

 

 

0.0

1

0 %

7

Wedekind, Ferdinand

1400

0

 

 

 

0.0

1

0 %

Nun geht es in die Relegation gegen SK König Plauen um einen Platz für die DVM U16.

Nächsten Samstag spielt unsere U12 Mannschaft die bayerische Endrunde, aber in dem Fall sind sie nur Außenseiter. Wir wünschen ihnen viel Erfolg!