Mit Noris-Tarrasch Nürnberg hatten wir sicherlich nicht den angenehmsten Gegner für die erste Runde. Sie sind durchaus Favorit auf den Titel und wir wussten im Voraus, dass der Kampf sehr schwierig sein würde; auch deswegen, weil wir ohne Jan und Johannes nicht unsere Top-Mannschaft aufstellen konnten.
Angekommen im Loni-Übler-Haus erfuhren wir allerdings, dass sie auch auf zwei Spitzenspieler verzichten mussten. Auch wenn sie trotzdem favorisiert waren, hatten wir eine unerwartete Chance bekommen, die wir leider nicht nutzen konnten. Der Kampf lief anders als erwartet, aber er endete mit einer bitteren, unnötig hohen Niederlage.
Da Ferdinand und Nithya gegen deutlich stärkere Gegner zu kämpfen hatten, kam vieles auf die Leistung unserer zwei ersten Bretter an. Weder Rafael noch Levin hatten einen guten Tag, was der Mannschaft keine Chancen übrigließ.
Nach der Eröffnung sah es allerdings vielversprechend aus. Bis auf Ferdinand, bekam der Rest der Spieler unterschiedliche sizilianische Varianten aufs Brett und fast alle hatten eine gelungene Stellung erreicht, nur Ferdinand stand bald unter Druck.
Rafael hatte einen angenehmen Vorteil gegen sizilianisch Khan; Levins klassischer Sizilianer war auch gelungen und er war zunächst im Vorteil; Abhiraaj, auch gegen Sizilianer, hatte den Frühangriff seines Gegners sehr gut abgelehnt und genoss einen fast gewinnbringenden Vorteil; Félix kontrollierte die Stellung gegen Alapin; Nithyas Zentrum war gegen den Fianchetto im Königsflügel imposant; Ferdinand hatte gegen abgelehntes Königsgambit zu kämpfen und seine Bauernstruktur wurde früh sehr geschwächt. Nichts in diesem Moment deutete auf die hohe Niederlage hin, die wir später erlitten.
Die Partien entwickelten sich allerdings nicht zu unseren Gunsten: Rafael und Levin spielten fahrlässig, der Erste durch ein sehr zweifelhaftes Opfer seines wichtigen e-Bauern ohne lange zu überlegen, bei dem er nicht nur den guten Vorteil verspielte, sondern auch unsinnigerweise unter Druck geriet.
Abhiraajs Partie sah weiterhin sehr gut aus. Félix hatte allmählich seine Stellung verbessern können und spielte auch auf Gewinn. Nithyas Stellung war zwar kompliziert, aber sie hatte die Oberhand: Mit einen Bauernopfer auf e6, zerstörte sie Daniels Bauernstruktur und bekam einen sehr starken Angriff. Ferdinand verteidigte sich lange gegen Parsa, das strategisch beeindruckend gut spielende junge Talent aus Nürnberg, aber langsam geriet er sehr in die Passivität, später verlor er einen nach dem anderen seine schwachen Bauern und die Partie.
Zu dem Zeitpunkt sah es leider nicht mehr gut aus: Rafael startete mehrere Angriffsversuche, die sein Gegner Stepan Mohylnyi mit Präzision abwehrte, Levin, wahrscheinlich noch in guter Stellung, geriet gegen einen gut spielenden Arne immer mehr unter Zeitdruck. Abhiraaj, Félix und Nithya hatten noch große Gewinnchancen, aber auch das änderte sich rasant: Félix, in einem sehr vorteilhaften Endspiel, opferte, ähnlich wie sein Bruder, unverständlicherweise einen wichtigen Zentralbauern über den sich Jonas freute, und verlor dadurch alle objektiven Chancen auf Gewinn. Nithya verspielte ihre Angriff-Stellung indem sie zu viele Figuren freiwillig tauschte. Auch Abhiraaj musste gegen Sanyukt leiden: Sein Gegner zeigte nach misslungener Eröffnung, dass er gutes Schach spielen kann: Er verbesserte die Aktivität seiner Figuren und stellte
Abhiraaj vor Probleme. Abhiraaj riskierte einen Tick zu viel und geriet in Zeitnot.
Es bestanden keine großen Hoffnungen mehr: Levin opferte Qualität und Bauern und später einen ganzen Turm für Angriff, aber es gelang ihm nicht und er musste sich geschlagen geben. Auch Rafael opferte verzweifelt einen Turm für mehrere Bauern und versuchte alles um Dauerschach zu geben; leider ohne Erfolg. Félix versuchte im ausgeglichenen Endspiel noch Jonas unter Druck zu setzen, aber die beiden mussten sich bald im Turmendspiel mit wenig Material auf Remis einigen. Der einzige Sieg kam durch Abhiraaj, der trotz Zeitnot in der Lage war, die trickreichen Fallen von Sanyukt zu umgehen und schließlich noch mehr Material gewann.
Nur noch Nithya blieb gegen Daniel am Brett. Im Endspiel mit jeweils Turm, Läufer und Springer hatte sie einen Bauern weniger, aber diesen hätte sie sehr wahrscheinlich erobern können. Stattdessen tauschte sie unglücklicherweise ihre aktiven Figuren, blieb bei ihrem schlechten Springer auf h2 und erreichte schlagartig eine verlorene Stellung: 4,5 – 1,5 für den Gegner. Wir gratulieren Noris-Tarrasch Nürnberg zum verdienten Sieg und für den fairen Kampf!
Am 13.12. geht es mit der ersten Doppelrunde in Erlangen weiter, zuerst gegen die starken Schachfreunde aus Augsburg und danach gegen Würzburg, die gegen sie 6:0 verloren haben. Wir hoffen auf einen erfolgreicheren zweiten Spieltag.